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Alexander Schaburow
Moskau

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Geboren am 27. August 1965.

«Beresowskij Konzeptualist», Malewitsch russischer Fotografie. Gründer des Museums des ersten nationalen Superman Iwan Shaba und eigener «einheimischen» Strategie des Aufbaus des Privatlebens und der Zähnebehandlung auf Kosten des Soros-Fonds.

Präsident holmsianer Uralvereins.

Er hat eine gute Schule als Fotograf in einem Gerichtsleichenhaus im Laufe vieler Jahre durchgemacht, wo er vorläufige archäologische Ausgrabungen seiner einmaligen Tätigkeit zusammenstellte. («Das Verzeichnis des Passierenden hinter meinem Fenster, das am 18. Oktober 1989 zusammengefasst wurde», «Das Verzeichnis der Gegenstände um mich, das am 19. Oktober 1989 zusammengestellt wurde» und s.w.) und andere Fotopologie des äussersten Künstlerautentismus («Mein täglicher Weg vom Zuhause bis zur Haltestelle. Alle 15 Schritte - ein Foto». 14. August 1988»), bis er in der Erkenntniss der Natur der Fotofixierung der davonlaufenden Augenblicke zu deren Ende gelangte (5 Mai 1990. «Ich mache Aufnahmen, ohne den Deckel vom Objektiv abzunehmen» ist eine Art Fotoanalogon «des schwarzen Quadrats» von Malewitsch).

Nach einer Reihe vereinzelter humoristischer Objekte und Bücher («Bücher-Würste», «Wortlos *** ***» oder «Verkürzte Variante des Romans von Leo Tolstoj «Krieg und Frieden», 1992) wählte der aus dem Leichenhaus gekündigte Künstler eine einfachere und verständlichere Sozialisierungweise, d.h. begeistert von der Idee der Versetzung der Verfahren des politischen Kampfes in den Kunstbetrieb klebte er wöchentlich auf den Strassen Serien schockierender Flugblätter in der Auflage von 1000 Exemplaren («Schaburow Sascha Christus», «Das ist der Erste», «Es war ich, der der Welt Kopieren beigebracht hat», «Meine Schönheit rettet die Welt» u.a.m.). Ihnen folgten für einen modernen Künstler unentbehrliche Berichte in der Welttageschronik, Toplisten und astrologische Abhandlungen über seine enorme Begabung, und auch Plakate und anonyme Briefe, die in die künstlerische Praxis Methoden des politischen Kampfes transportierten.

Alle nachfolgenden Projekte von Schaburow stellen ähnliche Installationen dar: vom Massenspiel in Volksmuseum des neuen russischen Superman Iwan Shaba (Travestie-Variante des amerikanischen Batman, Mix aus Frosch-Konigin und des aufkommenden Separatismus im Ural) oder Pantheon des nach Moskau umgesiedelten W.Kurizyn(um seinen Star-Status auf dem lokalen Kulturhorizont zu festigen) - bis hin zu Vorführung der Erzählung über sein Privatleben wöchentlich im Rundfunk und in den Zeitungen : ein solches System der Massenhypnose, das in den Kopf des ersehnten Madchens die Eigenschaften ideeler Geliebten eingeben soll («Freuden einfacher Leute», 1996-97).

Alle Einfälle des Künstlers Schaburow sind Testproben für seine Bekannten, ob sie den ihnen zugestellten Rollen entsprechen oder nicht. Alle bemerken die Grenzen in ihren Selbstentwicklungsetappen und der Gefühlserziehung: als er eine Ausstellung zum Lenins_Jubiläum konzipierte, fiel ihm ein, dass Missachtug dem Führer gegenüber der Unliebe den Nächsten gegenüber gleicht (Man darf nicht so tun - ein halbes Leben lieben, und dann -zickzack! - nicht mehr lieben! Liebe - das ist für immer!...) und fixierte für immer Zeichen ideeler Verhältnisse - Küsse - mit allen Bekannten («Über die Liebe», 1996).

Schaburow gibt gern sein banales alltägliches Leben für künstlerische Tätigkeit aus. So schickte er zum Beispiel die Rechnung für Zähnebehandlung als einen Antrag auf Grant in den Soros-Fond (Behandlung und orthopädische Versorgung», 1998), die bezahlt wurde.

Ein Künstler, - erklärt er, - sollte in erster Linie nicht auf der unerreichbaren Biennale in Deutschland Künstler sein, sondern zuerst Künstler in seiner Küche sein. Aus allen alltäglichen Funktionen des Körpers Kunst machen: aus Geburtstagen, Hochzeit und Bestattung. Der Kauf eines Fernsehens, Kühlschranks und einer Waschmaschine - das heisst Kunst! Geburt ist ein Happening, Hochzeit ist ein Performance, Umzug in eine neue Wohnung ist ein Enviroment! (Beresowskij Konzeptualist», 1998).

Das Projekt aus dem Jahre 1998 «Sterbeweise» - eine Lebenszwischenbilanz - ist eine im Krematorium bestellte Trauerfeier mit den um den «toten Künstler» liegenden Kränzen, begleitet durch Nekropole mit Angaben der Zeit und Ursachen bevorstehenden Todes aller Bekannten des Künstlers und renommierter Persönlichkeiten.

Zur Zeit arbeitet an der von der TV-Agentur des Urals beantragten Enzyklopädie über alle Ekaterinburger, die sich «Künstler» nennen - von Bildermalern und Karikaturisten, bis hin zu Tätowierungsmalern und Graffitimalern - und deren Vorstellungen davon, was Kunst eigentlich ist.

Er zählt sich zu Literaten nicht. Es kam so, dass er einmal mitten auf der Strasse ein Mädchen Inna kennenlernte. Danach begriff er, dass es viel angenehmer ist, «alltäglichen» Vergnügen nachzugehen, als zu malen oder zu modellieren. Und um solchem Projekt künstlerische Form zu geben und es zu fixieren, und dem gefallenen Mädchen die Eigenschaften ideeler Geliebten beizubringen, begann er sein Leben und Treiben in Erzählungen zu beschreiben, die zuerst in der täglichen Ekaterinburger Zeitung «Neue Chronik» veröffentlicht wurden und parallel der realen Ereignissen - wie «Santa-Barbara» - per lokalem Rundfunk «Stadtstudio», von einigen sich abwechselnden Schauspielern vorgetragen, ausgestrahlt wurden.

Alle handelnden Personen hörten zu, lasen nochmals ihr tendenziös geprägtes Leben vor, worauf sie sich Mühe gaben, seine Anforderungen zu erfüllen. Es bildete sich ein System der Massenhypnose heraus: Inna und umliegende Realität richtete sich allmählich nach voreingenommenen Reden über sich selbst und nach verspätetem Sinnerdenken.

Autor «des Buches der Bücher, in Mai-April 1990 vereinzelt geschrieben und in September-Oktober 1992 veröffentlicht» (1990); Antologie «Unglück von Sherlock Holms in russischen Übersetzungen und Transformationen» (1991); Romane «Held unserer Zeit» (1987), «Leben des Superman» (1997), «Freuden einfacher Leute» (1996-99).

(095) 9522833, (3432)452558

E-mail: shaburov@mail.ru

Ausgewählte Personalausstellungen und Projekte:

2003


Zu zweit gegen Mafia (zusammen mit W.Misin). Gelman-Galerie. Moskau.

Absolut Blue Noses (zusammen mit W.Misin). Zoologisches Museum. Moskau.

25 kurze Performances über Globalisierung (zusammen mit W.Misin). Toynbi-Studio, London. Im Rahmen der Konferenz «Moderne russische Kunst und das Zeitalter der Globalisierung». Staatliches Russisches Museum. Tate-Modern. Pro Arte (Katalog).

2002

Zu zweit gegen russische Mafia (zusammen mit W.Misin). Kirow-Museum. Sankt-Petersburg.

2000

Russischer Budda. Gelman-Galerie. Moskau.

1997

Beresowskij Konzeptualist/ Sterbeweise. Museum der Jugend. Ekaterinburg.

Behandlung und orthopädische Versorgung. Ekaterinburg.

Ausgewählte Gruppenaussellungen

2003


Projektion. Arsenal. Nishnij Nowgorod (Katalog)

Absolut Generation. Palazzo Senobio. Venedig. Im Rahmen der 50. Venediger Biennale(Katalog).

Wir - sie. Art-Moskau. Zentrales Haus der Künstler. Moskau (Katalog).

Los! Aus dem Labor der freien Kunst in Russland. Ishewsk. Tscheboxary.

2002

Los! Aus dem Labor der freien Kunst in Russland. Postfuhramt. Berlin. MAK. Wien (Katalog).

4. Biennale in Cetinje. Montenegro (Katalog).

Schneewittchen. Neue Kunst aus Russland. Galerie Sachet. Warschau (Katalog).

Moskauer Zeit. Zentrum moderner Kunst. Vilnjus.

2001

Werkstatt Art-Moskau. 25 moderne Künstler aus Russland. Zentrales Haus der Künstler. Moskau (Katalog).

2000

Dynamische Paare. Kunst gegen Geografie. Marmorpalais des Staatlichen Russischen Museums. Sankt-Petersburg. Zentraler Aussellungsraum «Manege». Moskau (Katalog).

8 Biennale in Kair. Egypten (Katalog).

1999

Irrsinniger Doppelgänger. Strategie des Idiotismus in der Gegenwartskunst. Zentrales Haus der Künstler. Moskau. Weiter: Nishnij Nowgorod, Samara, Ekaterinburg, Frankreich. (Katalog).

Märtyrer, oder Pathologie des Performances. Swerew-Zentrum der Gegenwartskunst. Moskau.

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